von Pfr. i. R. G. Köhnlein

 

 

„Ihr Herrn und Frau'n, die Ihr einst Kinder wart, seid es heut' wieder, freut Euch in ihrer Art.“

 

So, liebe Gemeinde, hat das Nürnberger Christkind am Freitag vor dem ersten Advent den Christkindlesmarkt auf dem Hauptmarkt eröffnet. Tausende haben das dort miterlebt, und unzählige andere konnten es an den Bildschirmen mit verfolgen. Eine große Faszination geht von diesem Ritual aus. Es ist wohl die Sehnsucht, die tief in vielen von uns schlummert, und die hier geweckt wird: Wieder Kind sein zu dürfen und voller Erwartung und Spannung, voller Ungeduld und Hoffnung diese Wochen vor Weihnachten zu erleben. Die Lichter und Kerzen, die Gerüche und die vertrauten Lieder – spiegelt sich in ihnen nicht etwas von der Sehnsucht nach einer heilen, strahlenden Welt wieder, nach Frieden und Harmonie, nach Erfüllung und Glück? Ja, und dürfen wir davon nicht wenigstens ein paar Augenblicke lang träumen? Denn wir wissen es alle: Nur allzu schnell werden wir aus unseren Träumen gerissen und von der Wirklichkeit eingeholt, die uns umgibt. Da sind nicht nur die Hektik und Betriebsamkeit, die aus der ursprünglich stillen Zeit der Besinnung des Advents längst die lauteste Zeit des Jahres gemacht haben. Die Vermarktung von Weihnachten droht den eigentlichen Inhalt des Festes zuzudecken. In der Tat hängt die Jahresbilanz vieler Geschäfte oft von den Umsätzen aus den Wochen vor Weihnachten ab. Diesem Rummel kann man sich ja eventuell noch entziehen, indem man versucht, in der Adventszeit für sich bewusst Momente der Einkehr und Stille zu gestalten. Dennoch: die Welt ist eben nicht so hell, strahlend, friedlich und harmonisch, wie wir es gerne hätten. Dieser Tatsache kann man sich nicht verschließen. Manchmal beginnt der Unfriede bereits in der eigenen Familie. So bleibt die Sehnsucht, wie ein Kind fröhlich und unbeschwert Weihnachten zu erleben, oft ein unerfüllter Traum. „Ach“, wäre das schön! Doch wie weit sind wir davon entfernt.“

 

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Predigt von Pfr. i.R. Gerhard Köhnlein

 

Liebe Gemeinde aus St. Rupert, St. Wunibald, aus St. Franziskus  und Emmaus!

 

Am Buß- und Bettag einen Ökumenischen Gottesdienst gemeinsam zu feiern, ist für unsere Gemeinden hier in den Siedlungen-Süd nun schon fast Tradition. Der Buß- und Bettag als ein Tag der Besinnung und Neuorientierung ist ja ursprünglich ein evangelischer Feiertag. An ihm geht es darum, über individuelle und gesellschaftliche Irrwege nachzudenken, sie vor Gott zu bringen und im Lichte seiner Wahrheit zu korrigieren. Dieses Anliegen kann und muss uns als Christen über alle Konfessionsgrenzen hinweg verbinden. „Umkehren und leben“ steht daher als Überschrift über diesem Gottesdienst als eine Herausforderung, die uns alle angeht.

Nun weckt die Bezeichnung „ Buß- und Bettag“ heute bei vielen Zeitgenossen leider Missverständnisse. Buße wird als Strafe für eine Überschreitung, als eine Art Schadensersatz gedeutet. So sprechen wir z.B vom „Bußgeld“, das zu zahlen ist, wenn wir mit dem Auto zu schnell gefahren sind. In der Bibel meint Buße aber eine Neuausrichtung von Geist und Sinn, weg vom Alten, hin zum Neuen, ein sich Ausrichten auf neue Wege. Es geht darum, falsche Wege und Verhaltensweisen zu erkennen und sie zu verlassen, also umzukehren. Das mag schwer fallen. Es ist eben einfacher, in den gewohnten Bahnen weiter zu machen, und oft fühlen wir uns auch hilflos, etwas an den bestehenden Verhältnissen zu ändern. Doch der Ruf zur Umkehr ist letztlich ein Lockruf, verbunden mit dem Angebot Gottes, das Leben neu zu finden. „Kehrt um, und ihr werdet leben“, so ruft es bereits der Prophet Hesekiel dem Gottesvolk zu.

 

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von Pfarrer Walter Lupp

 

Eine eigenartige Geschichte vom Teich Betesda wird uns hier berichtet, liebe Gemeinde. Ganz versunken in eine andere Welt, die uns weitgehend fremd ist. Obwohl – na ja, der Glaube an solche Wunderheilungen nimmt wieder zu. Die Menschen geben viel Geld aus für Heilungsmethoden, die nicht selten einen starken Glauben an ein Wunder voraussetzen. So gesehen erscheint es dann gar nicht verkehrt sich diese Wundeheilung am Teich Betesda anzuschauen. Es könnte ja sein, dass wir für unsere heutige Zeit die eine oder andere Antwort gewinnen.

Genau genommen greifen da zwei Wundergeschichten ineinander. Der Teich Betesda, den es tatsächlich gibt, ein Ort, den man heute noch besichtigen kann, zog magisch kranke Menschen an. Solche mit Langzeiterkrankungen zumal und Krankheiten, die unheilbar waren. Dort, an diesem Teich bei Jerusalem, dort könnte einem noch geholfen werden. Man darf sich diesen Ort als eine Mischung aus Wallfahrtsort und Sanatorium vorstellen. Die Kranken kamen, zum Teil von weit her, um im Wasser dieses Teiches Heilung zu finden und die Kranken blieben an diesem Ort, oft genug ihr Leben lang. Da humpelten und robbten und krochen sie früh am Morgen dorthin und suchten einen günstigen Liegeplatz zu finden. Nicht weit vom Wasser weg.

 

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Predigt von Pfarrer W. Lupp

Liebe Gemeinde, jetzt mal ganz ehrlich: Sie alle, die Sie hier sitzen, gehören zu den Reichen dieser Welt. Die meisten von Ihnen haben ein eigenes Haus, ein Auto dazu. Sie sind ordentlich und warm angezogen und drei Mal am Tag steht eine Mahlzeit auf dem Tisch. Jeden Monat kommt Geld aufs Konto, das zum Leben reicht. Armut, nach der internationalen Definition, bedeutet weniger als einen Euro Einkommen am Tag und eine Lebenserwartung von durchschnittlich 55 Jahren. Ganz klar, wir gehören zu den Reichen dieser Welt.

 

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Predigt zum Erntedankfest 2011 von Pfarrer Walter Lupp

 

Liebe Gemeinde, im Kino läuft zur Zeit ein Film über Mülltaucher. Mülltaucher sind Menschen, die sich ausreichend, gesund und durchaus schmackhaft von Lebensmitteln ernähren, die sie aus Mülltonnen, vorzugsweise an großen Supermärkten, herausfischen. Die meist jungen Leute fischen sich ihren Müll nicht aus sozialer Not aus den Mülltonnen. Für sie ist es  ein Protest gegen die gigantische Lebensvernichtung in unserer Welt. In dem dazu erschienen Buch „Die Essensvernichter“ werden die Zahlen aufgelistet und die Hintergründe dieser Verschwendung dargestellt. Nur eine einzige Zahl: in Deutschland wird soviel Brot weggeworfen, dass man damit die Einwohner Niedersachsens ein Jahr lang mit Brot versorgen könnte. Beim Brot, denke ich, tut es besonders weh, weil es für uns eine symbolische Bedeutung hat: unser täglich Brot gib uns heute. Auf dem Erntedankaltar liegt deshalb Brot. Es tut mir körperlich weh, solche Filme zu sehen und solche Bücher zu lesen. Für mich drückt sich darin aus, wie verrottet und wie pervertiert inzwischen sich das Verhältnis der Menschen zur Natur, zu ihrer Umwelt entwickelt hat. Wir Menschen leben in einem völlig zerrütteten Verhältnis zu unserer Mitwelt, wie ich es lieber nenne.

 

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von Pfarrer Walter Lupp am 4.9.2011

 

Liebe Gemeinde,

 

Ich lese aus dem Matthäusevangelium, in einer neueren Übersetzung:

Dann sagte Jesus: "Was meint ihr zu folgender Geschichte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: 'Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!'  Aber der antwortete: 'Ich will nicht!' Später tat es ihm leid und er ging doch.  Genauso bat der Vater seinen zweiten Sohn. Der antwortete ihm: 'Ja, Herr!' Aber er ging nicht hin.  Wer von den beiden Söhnen hat getan, was der Vater wollte?" Die führenden Priester und Ältesten des Volkes antworteten: "Der erste." Da sagte Jesus zu ihnen: "Amen, das sage ich euch: Die Zolleinnehmer und die Prostituierten kommen eher in das Reich Gottes als ihr.  Denn Johannes kam zu euch - und lehrte euch den Weg, der vor Gott richtig ist. Aber ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zolleinnehmer und Prostituierten dagegen haben ihm geglaubt. Und nicht einmal, als ihr das gesehen habt, habt ihr euer Leben geändert und Johannes Glauben geschenkt."

 

Liebe Gemeinde, ich möchte Sie heute mitnehmen in meine Predigtwerkstatt. Das kann ja mal ganz interessant sein, zu sehen, wie eine Predigt zustande kommt. Eigentlich wäre es noch viel schöner, die Predigt mit ihnen gemeinsam zu erarbeiten, denn Sie hätten bestimmt gute Ideen und eine Menge zu sagen.

 

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von Pfarrer Walter Lupp am 28.8.2011

 

Nein, liebe Gemeinde, wir kennen seine Gedanken nicht. Was er in diesemAugenblick gedacht hat, was ihm durch den Kopf ging, wir wissen esnicht. Noch nicht einmal, ob er wirklich je so dagesessen ist, den Kopfin die Hand gestützt. Es kann gut so gewesen sein, wenn ihm denn dierömischen Soldaten und die voranhetzende Menschenmeute, gierig aufdie Sensation einer öffentlichen Hinrichtung, überhaupt Zeit ließen zumNachdenken. Der Meister, der die Figur für die Dreifaltigkeitskirche inGörlitz geschaffen hat, wollte die Menschen seiner Zeit in das Gescheheneinbeziehen. Sie einladen mit dem rastenden Jesus zu rasten, mit demsinnierenden Jesus zu sinnieren, seine Erinnerungen, seine Gedanken zuteilen, freilich immer die, die wir ihm, wohl begründet, in die Stirn legen.Wir sind eingeladen uns dazuzugesellen seine und unsere Gedankenzu teilen, seine und unsere Ängste auszusprechen, seine und unsereHoffnungen zu bedenken. „Der rastende Christus“ – so mag er vielleichtgesessen sein, abgerissen, die Spottkrone auf dem Haupt, getrocknetesBlut am Körper, erschöpft und am Ende. Wir setzen uns an seine Seite.

 

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