von Pfr. i.R. Gerhardt Köhnlein

 

Liebe Gemeinde!

 

Kirche, EmmHaus, Gemeindezentrum und zwei Pfarrhäuser – was wird aus den Gebäuden unserer Emmausgemeinde, wenn künftig die Finanzen nicht mehr ausreichen, alle zu erhalten? Gerade vier Wochen ist es her, dass eine Gemeindeversammlung über die damit verbundenen Fragen diskutierte.  Muss eine oder müssen gar mehrere unserer Immobilien veräußert werden? Oder welch andere Lösungsmöglichkeiten gibt es? Dass es bei diesen Überlegungen nicht bloß um Rechenaufgaben gehen kann, leuchtet ein. Erinnerungen und Emotionen sind mit diesen Häusern verbunden. Wie sehr hatte man darum kämpfen müssen, dass überhaupt gebaut werden konnte! Nun sind hier Orte entstanden, an denen sich Gemeinde in vielfältiger Weise in Gottesdiensten und Gruppen sammelt. Ist etwas davon aufgebbar? Zwangsläufig stellt sich die Frage: Welche Gemeindearbeit wollen wir in Emmaus, ja, worin sehen wir unsere Aufgabe als evangelische Gemeinde vor Ort in Zukunft? Wo aber finden wir Kriterien für Entscheidungen, die diesem Auftrag entsprechen?

Liebe Gemeinde, es ist unbequem, wenn man so grundsätzlich in Frage gestellt wird. Doch wenn wir uns dieser Herausforderung stellen, erkennen wir, wo wir gegenwärtig stehen. Wir können dann unseren Weg bewusster gehen.

 

In Frage stellen lassen musste sich auch der Apostel Paulus von der Gemeinde in Korinth. Eineinhalb Jahre hatte er dort gelebt und gepredigt. Doch als er dann weiterreiste, brach in Korinth ein offener Streit über seine Person aus. Wer ist der überhaupt, dass er so von Gott und Christus reden konnte? Woher nimmt er seine Autorität? Und was seine Redekunst betrifft: Hätte er nicht viel überzeugender auftreten, es seinen Gegnern mal so richtig zeigen müssen, damit ihm die Massen folgten? Paulus leidet unter dieser Anfeindung und Infragestellung. In seinen Briefen an die Gemeinde in Korinth spiegelt sich das wider. Doch gleichzeitig veranlasst ihn dieser Streit, über sich und den Auftrag, wie er ihn sieht, nachzudenken. Ich meine, dass er dabei auch uns heute helfen kann, uns über unseren Auftrag als Christen und Gemeinde klar zu werden

 

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mit Pfr. Walter Lupp

zum 375. Geburtstag von Dietrich Buxtehude

 

Biographische Notizen

Liebe Gemeinde, ich begrüße Sie zu diesem Gottesdienst am Ostersonntag. Menschengedenken, so lautet das Thema der Vier Heiligen Tage in diesem Jahr. Ich habe Gedenktage an berühmte Menschen der fernen und der näheren Vergangenheit ausgewählt. Seinen 375. Geburtstag feiert in diesem Jahr der Komponist Dietrich Buxtehude, der sicher zu den bedeutendsten Musikern der evangelischen Kirchenmusik gehört, mit und neben Johann Sebastian Bach. 1637 wird als Geburtsjahr vermutet, der Geburtsort war wohl Helsingborg, heute in Schweden gelegen. Sein Vater war Organist. Im damalig dänischen Helsingborg besuchte Dietrich Buxtehude die Schule, erhielt hier seine erste Organistenstelle, bevor er im Jahre1668 als Organist an die Marienkirche nach Lübeck berufen wurde. Bedingung war, wie damals üblich, dass er die Tochter seines Vorgängers Franz Tunder heiratete. Dietrich Buxtehude hat ein großes musikalisches Werk geschaffen und galt als wegweisender Komponist und Organist seiner Zeit. Johann Sebastian Bach pilgerte 400 km weit von Arnstadt in Thüringen nach Lübeck um den großen Meister zu hören. Als berühmtester Vertreter der norddeutschen Orgelschule starb Buxtehude 1707 und wurde in der Marienkirche in Lübeck in der Nähe der Totentanzorgel beigesetzt. Nachdem im 2. Weltkrieg die Grabstätte zerstört wurde, erinnert heute eine Gedenktafel an den großen Komponisten.

 

Lesung: Johannes 20, 1-18 – Der Ostermorgen; Maria aus Magdala

 

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mit Pfr. Walter Lupp

 

zum 175. Todestag vom Christian Adam Dann (Pfr. und Tierschützer)

 

Zitat

Bitte der Tiere, der unvernünftigen Geschöpfe, an ihre vernünftigen Mitgeschöpfe und Herrn, die Menschen, sie doch als Gottes geliebte Kreatur zu achten.

 

Biographische Notizen

Liebe Gemeinde, ich begrüße Sie zu diesem Gottesdienst am Karsamstag. Menschengedenken, so lautet das Thema der Vier Heiligen Tage in diesem Jahr. Ich habe Gedenktage an berühmte Menschen der fernen und der näheren Vergangenheit ausgewählt. Den 175. Todestag begeht der Pfarrer und Tierschützer Christian Adam Dann. Sie werden den Mann nicht kennen obwohl er eine stattliche Zahl von Schriften verfasst hat und er – zumindest im schwäbischen und pietistischen Raum – immer noch ein beachteter Theologe ist. Insbesondere am Beginn des 19. Jahrhunderts war Christian Adam Dann ein allseits bekannter und viel gelesener Autor. An ihn will ich heute erinnern, am Karsamstag, dem stillen, ein wenig unpraktisch im Weg liegenden Tag zwischen Karfreitag und Ostern.  Christian Adam Dann wurde im Dezember 1758 in Tübingen als Sohn des dortigen Bürgermeisters geboren und starb  im März 1837 in Stuttgart. Sein Weg führte ihn zum Theologiestudium ins Theologische Stift Tübingen, wo er später Repetent war. Dann folgen die Wirkungsstätten Göppingen, Öschingen, Mössingen, bevor er nach Stuttgart zurückkehrte. Christian Adam Dann war pietistischer, etwas frei gesagt, frommer Theologe. Als Pfarrer in Mössingen entdeckted er 1821 einen von Gewehrkugeln durchlöcherten Storch. Diese Tierquälerei machte ihn zum leidenschaftlichen Tierschützer: Ein Mensch, der Tiere quält, könne auch Gott nicht lieben, so sein Credo. Mit seinen Schriften machte er großen Eindruck. Noch in seinem Todesjahr wurde der erste deutsche Tierschutzverein gegründet.

 

Lesung: Johannes 19, 31 -42 – Kreuzabnahme und Grablegung

 

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mit Pfr. Walter Lupp

 

zum 95. Geburtstag von John f. Kennedy

 

Zitat

Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können ‚Ich bin ein Berliner‘!

 

Biographische Notizen

Liebe Gemeinde, ich begrüße Sie zu diesem Gottesdienst zur Sterbestunde Jesu. Menschengedenken, so lautet das Thema der Vier Heiligen Tage in diesem Jahr. Ich habe Gedenktage an berühmte Menschen der fernen und der näheren Vergangenheit ausgewählt. Seinen 95. Geburtstag würde heuer John F. Kennedy feiern, wenn er so alt geworden wäre wie sein reicher und einflussreicher Vater oder seine selbstbewusste und tatkräftige Mutter.

Viele Bilder John. F. Kennedys sind uns im Gedächtnis geblieben, allen voran die Bilder von seiner Ermordung in der Präsidentenlimousine in Dallas/Texas. Aber auch die Bilder seiner Familie mit dem spielenden John-John unter dem großen Schreibtisch im Oval Office des Weißen Hauses, die Bilder mit seiner schönen und klugen Frau Jaqueline. Unvergesslich seine Rede in Berlin im Juni 1963. Er war sicher ein großer Präsident und Politiker, der in seiner Person, seiner Jugendlichkeit einen Aufbruch in den USA verkörperte. Da haben auch die inzwischen reichlich erforschten schwierigen Seiten seines Charakters wie etwa seine Frauengeschichten oder eben auch der Beginn des Vietnamkrieges unter seiner Stabführung wenig geändert. Wenn in den USA ein Präsidentschaftskandidat antritt, wie zuletzt Barak Obama, dann heißt der Maßstab John F. Kennedy.

 

Lesung: Johannes 19, 16-30 – Kreuzigung und Tod

 

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Vier Heilige Tage – 2012

Thema: Menschengedenken

 

mit Pfr. Walter Lupp

 

180. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe

 

Zitat

Über allen Gipfeln

Ist Ruh'

In allen Wipfeln

Spürest Du

Kaum einen Hauch;

Die Vögelein schweigen im Walde

Warte nur, balde

Ruhest Du auch.

 

Begrüßung mit biographischen Notizen

Liebe Gemeinde, ich begrüße Sie zu diesem Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag. Menschengedenken, so lautet das Thema der Vier Heiligen Tage in diesem Jahr. Ich habe Gedenktage an berühmte Menschen der fernen und der näheren Vergangenheit ausgewählt. Es jährt sich heuer zum 180 mal der Todestag von Johann Wolfgang von Goethe, am 22. März 1832 starb der Dichter und Naturforscher vermutlich an einem Herzinfarkt im Alter von fast 83 Jahren in Weimar und wurde dort am 26 März in der Fürstengruft beigesetzt. Geboren wurde Goethe 1749 in Frankfurt, er studierte Rechtswissenschaft, wurde Assessor und bald schon Staatsminister im kleinen Fürstentum Weimar. Mit Goethe steht ein geistiger Gigant vor uns, berühmt geworden mit seinen „Leiden des jungen Werther“, Generationen von Schülern zur Plage geworden mit seinen Gedichten. Ein Gigant des Theaters mit Urfaust und Faust I und II. Naturbeobachter, Verwaltungsleiter, Politiker, Italienreisender und in seinem Privatleben so manchen Roman wert. Es lohnt sich, da und dort seine Spuren in seinem Werk oder bei einem Besuch in Weimar oder Italien zu kreuzen. Er hatte und hat viel zu sagen, auch heute noch. Wir machen seinen Geist heute am Gründonnerstag nur an diesem kleinen Gedicht fest, das wir vorhin gehört haben und das uns in seiner musikalischen Wiederspiegelung heute erneut begegnet.

 

Lesung: Johannes 18, 1-11 – Gefangennahme Jesu

 

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von Pfr. i.R. Gerhard Köhnlein

 

Liebe Gemeinde!

Vor ein paar Wochen hatte ich wieder einmal Geburtstag. Geburtstage zählen in der Regel zu den schönen Tagen unseres Lebens, vor allem dann, wenn viele Menschen, mit denen man verbunden ist, einem zeigen, dass man für sie wichtig ist. So war es auch dieses Mal, und ich hatte viel Grund zur Freude. Freilich, so unterschiedlich die Gratulanten sind, so verschieden sind auch die Glück- und Segenswünsche, die sie senden. Was soll man auch einem Geburtstagskind wünschen? Glück, Gesundheit und Wohlergehen stehen an erster Stelle. Mancher wünscht auch einfach „Alles Gute“ und überlässt es damit dem Empfänger, was der sich darunter vorstellen will. Einander Glück und Segen zu wünschen, das ist sicher gut und angemessen. Auch kann es wichtig sein, wieder einmal all das Gute und Schöne, das wir Tag für Tag empfangen, wahr zu nehmen und dafür dankbar zu werden. Dann fühlen wir Gott als den Geber aller guten Gabe in unserem Leben ganz nahe.

Aber was ist, wenn es anders kommt, als wir es erhoffen? Wir wissen alle, dass das Leben nicht nur aus sonnigen Tagen besteht. Es gibt auch Probleme, mit denen wir fertig werden müssen, es gibt Krankheit und Leid, und so steht mitten in einem der Glückwunschbriefe plötzlich der Satz:

Gerhard, ich frage Dich jetzt nach einer plausiblen Antwort für meinen inzwischen 6 1/2-jährigen Großneffen Max: "...und warum hat Gott den Krebs gemacht?"

 

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Von Pfr. Walter Lupp am Sonntag Reminiscere

 

"Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit."

 

Liebe Gemeinde, solche Prophetenworte haben mich früher einmal in Aufregung versetzt. Als ich anfing mich mit Theologie zu beschäftigen, waren solche Aussagen, waren soziale Gerechtigkeit und Frieden ganz heiße Themen. Kirche bedeutete für mich vor allem auch eine politische Kirche, eine Kirche, die ihre Stimme erhebt und wie ein Prophet aus dem alten Israel in die Gesellschaft hineinruft und Ungerechtigkeit beim Namen nennt. Damals waren es der Vietnamkrieg und die Apartheidpolitik in Südafrika, waren es die „terms of trade“, also die fortgesetze Unmöglichkeit von unterentwickelten Ländern in der Weltwirtschaft eine Chance zu bekommen. Damals war es die bei weitem nicht so weit wie heute auseinander klaffende Schwere zwischen arm und reich in unserer Gesellschaft.

 

Die ganze Predigt als PDF