Liturgie und Predigt: Pfarrer Michael Boronowsky

Orgel und Gesang: Gitti Rüsing

Liturgie und Predigt: Pfarrerin Karin Deter

Musik: Christine Balig und Gitti Rüsing

Num 6,22-27


Priestersegen: 6,22–27

22 Der HERR sprach zu Mose:

23 Sag zu Aaron und sei­nen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:

24 Der HERR segne dich und behüte dich.

25 Der HERR lasse sein An­gesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

26 Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.

27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.


GEDANKEN


Unruhe im Konfirmanden­unterricht.

Wir sprechen über die Freundschaft. Und eh wir uns versehen, sind wir beim Thema "Liebe"... Es dauert nicht lange, und die Mädchen fangen an zu ki­chern. Die Jungs werden rot im Gesicht. Manche sind mit den Gedanken schon ganz woanders.

Aber am Ende im Kreis sind alle wieder dabei. Da neh­men wir für eine Woche Abschied, sprechen ge­meinsam den Segen. "Der Herr segne dich und behü­te dich..."

Dieser kurzer Augenblick. Atemholen, ein kleiner Mo­ment Ewigkeit - bevor alle draußen auf dem Heimweg weiter albern und sich ne­cken.

Der Segen ist keine Zau­berformel - aber ein Fin­gerzeig auf etwas, was grö­ßer ist.

 

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Predigt zu Trinitatis am 7.6.2020 von Pfarrerin Karin Deter

 

Predigttext Num 6,22-27

Priestersegen:

22 Der HERR sprach zu Mose:

23 Sag zu Aaron und sei­nen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:

24 Der HERR segne dich und behüte dich.

25 Der HERR lasse sein An­gesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

26 Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.

27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.


GEDANKEN


Unruhe im Konfirmanden­unterricht

Wir sprechen über die Freundschaft. Und eh wir uns versehen, sind wir beim Thema "Liebe"... Es dauert nicht lange, und die Mädchen fangen an zu ki­chern. Die Jungs werden rot im Gesicht. Manche sind mit den Gedanken schon ganz woanders.

Aber am Ende im Kreis sind alle wieder dabei. Da neh­men wir für eine Woche Abschied, sprechen ge­meinsam den Segen. "Der Herr segne dich und behü­te dich..."

Dieser kurzer Augenblick. Atemholen, ein kleiner Mo­ment Ewigkeit - bevor alle draußen auf dem Heimweg weiter albern und sich ne­cken.

Der Segen ist keine Zau­berformel - aber ein Fin­gerzeig auf etwas, was grö­ßer ist.


Ein Anruf

Eine Aussegnung. Kommen Sie? Unsere Oma ist noch zu Hause. Sie liegt noch so im Bett, wie sie eingeschla­fen und gestorben ist. Eine Kerze brennt, einen Psalm lese ich, ein Gebet, das Va­terunser. Vorher sage ich kurz, dass ich der Toten die Hand auflege. Der Valetse­gen. Ich spreche ihr den Segen Gottes zu. Die Ange­hörigen weinen. Aber ein tiefer Friede ist zu spü­ren.

Der Segen nimmt die Trau­er nicht weg. Aber er macht es leichter, die Toten in größere Hände zu legen, los zulassen.

Anfang und Ende in Gottes Hand.


Wir segnen bei der Taufe, bei der Einschulung, bei der Konfirmation, der Trau­ung. Wir segnen Geschie­dene, wenn wir in kirchliche Ämter einführen oder vom Dienst "entpflichten". Am Ende des Lebens, und im­mer, wenn Menschen es wünschen.

Wir segnen am Ende eines jeden Gottesdienstes.

Besonders dann wird es noch einmal sehr still. Eini­ge schließen die Augen, andere öffnen die Hände, um den Segen zu empfan­gen.


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Segen ist eine uralte Hand­lung. In allen Religionen finden wir sie, und immer in Begleitung ihrer dunklen Schwester, dem Fluch.


Eltern ist es nach wie vor wichtig, dass der Name des Kindes und der Segen nur einen weit voneinander entfernt sind. Nicht immer ist deutlich, was sie sich unter dem Segen für das Leben des Kindes vorstel­len, was mit dem Segen gemeint sein und erreicht werden könnte.


Gesegnet wird auch in fer­nen Galaxien und Fantasy-Welten

Jedi-Ritter wünschen ein­ander in gefährlichen Situa­tionen die "Macht" als Schutz und Trutz. Das ist Segen: In "World of War­craft" findet sich der Segen des "Inceratus", oder der "Segen der Alten", das sind magische Energiepakete. Oder im Spiel "League of Legends" ist der göttliche Segen eine konstruktive Attacke, die mit Wohltaten überfällt.


Der Segen in der Hebräi­schen Bibel

Er ist eine Kraft, die sich nur schwer beschreiben lässt. Und diese Kraft kommt aus den Händen des Schöpfers. Jahwe legt seiner Energie in die Krea­tur.

Dann kann das Wesen, Mensch oder Tier, immer wieder von der Kraft zeh­ren.


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Die Patriarchen von Abra­ham bis Jakob geben ihren Segen gegen Ende ihres Lebens weiter. Und um die­sen Segen zu bekommen, lohnt es sich mit allen Mit­teln zu kämpfen. Das zeigt uns die Geschichte von Ja­kob und Esau.

Beim Segen geht es um das Wohl und Wehe für das eigene Leben.

ABER WIE WIRKT DER SE­GEN?


Wirkt er von sich aus, wenn man ihn richtig spendet, also wie ein Naturgesetz, wenn die Bedingungen stimmen?

Oder wirkt er je nachdem, wie eng die Beziehung zu Gott ist vom Gesegneten und Segnendem?

Oder ist beides wichtig?

Darüber findet sich in der Bibel keine eindeutige Ant­wort.


WIR MERKEN:

SEGEN BLEIBT UNBERE­CHENBAR.


Auf Augenhöhe, partner­schaftlich geschieht er nicht.

Da gibt es jemanden, der gibt,

Und jemanden, der emp­fängt.

Da wird nicht diskutiert und verhandelt.

Aber auch niemand stellt Bedingungen.


Ob der Segen wirkt, liegt nicht in unserer Hand.

Wir liefern uns einem Ge­schehen aus, das nicht in unserer Hand liegt


Und der Segen wird auch nicht wirksamer, wenn er immer wortreicher wird.

Gottes Kraft hängt nicht von der Fülle der Wörter ab, die wir finden.


Ausschließlich für uns Men­schen ist er nicht gedacht.

Gott segnet bei der Schöp­fung alle Lebewesen dieser Erde. Das vergessen wir leicht.


Damit rechnen, dass Gott durch Menschen, die seg­nen, wirkt, sollte man im­mer.


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Und nun der aaronitische Segen.


24 Der HERR segne dich und behüte dich.

25 Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnä­dig.

26 Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.


Uralt.

Geheimnisvoll.


Das Angesicht Gottes

Im Lauf der Zeit war es den Israeliten selbstverständlich geworden, von Gottes Ge­stalt zu sprechen - wie im Psalm 17: Ich aber will in Gerechtigkeit dein Ange­sicht schauen, mich satt se­hen an deiner Gestalt, wenn ich erwache.

Oder von seinem Ange­sicht: Wann darf ich kom­men, und Gottes Antlitz se­hen? Psalm 42


Das freundliche Angesicht: in Zeiten der Masken gar nicht so leicht zu lesen.

In unseren Gesichtern spie­geln sich Prägungen, Cha­raktereigenschaften, unsere Gefühle.

Unser Gesichtsausdruck entscheidet Sympathien.


Meistens waren es die Göt­tinnen, die freundlich auf die Menschen sahen, nicht die Götter.

Aschera ließ sich gerne an­sehen.

Dann übernahm der Gott der Israeliten diese Rolle.


Und die Priester segnen die Menschen, rufen das se­gensreiche, wohlwollende Antlitz Gottes über ihnen aus.

Gott schauen und gesehen werden. Frieden haben.


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Wir brauchen den Segen.

Und der Segen gehört nicht nur in die Kirche, son­dern auch in den Alltag. Denn er hat mit unserem Leben zu tun.

Macht deutlich:

Niemand kann über dich verfügen. Weder Eltern noch Freunde noch Ehe­partner, nicht einmal der Tod. Du gehörst zu Gott. Und im Segen schenkt Gott Gaben, ist Gnade, wirkt über Generationen, ist so wichtig an Wendepunkten des Lebens.

Gottes Segen.

"Signare" - Von diesem la­teinischen Wort stammt unser "Segen": bezeichnen

Benedicare / Eulogein. Gut sprechen.

Wir werden gut gespro­chen: es ist gut.

Segnen heißt nicht, etwas gut zu nennen, das nicht gut ist.

Segnen ist nicht absegnen wider besseres Wissen.


Wenn ich gesegnet, gut gesprochen werde, werde ich in meinem Kern ange­sehen.


So, wie du bist, bist du gut.

Geliebt.

Behütet.

Nicht allein.

Das, was uns vielleicht vor­dergründig ausmacht, Un­ruhe, Angst vorm Dunkeln, vor der Schuld, vor dem Tod - bestimmt nicht zu­letzt über uns.

Wir sind angesehen und geliebt. Gut gesprochen. Gesegnet.


Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Ver­nunft, bewahre unsere Her­zen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Die Predigt als PDF-Datei